Einleitung Teil 5: Die wahre Suche beginnt: Diese zwei Fragen

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Ich war in meinem 47 Lebensjahr. Ich hatte studiert, war Beamter und saß im schönsten Büro, wie ich es mir auf der ganzen weiten Welt nicht schöner vorstellen hätte können. Groß, aber nicht zu groß, im letzten Stock eines schönen alten Hauses, erreichbar mit Lift, unter dem Dach, mit Dachschrägen, mit zwei schönen Holzfenstern, und wenn ich am Schreibtisch saß, und meinen Kopf nach links drehte und damit aus dem Fenster schaute, hatte ich ein so schönes Bild vor mir, wie ich es mir schöner nicht erträumen hätte können.

Auf der anderen Seite des Platzes, beim schön renovierten alten Gasthaus, war der Schornstein auf gleicher Höhe mit meinen beiden Bürofenstern und auf dem Schornstein wohnte eine Storchenfamilie. Und immer wieder musste ich mich dann dazu zwingen mich auf die Arbeit zu konzentrieren, denn wenn man auch nur ein klein wenig zum Träumen neigt, dann könnte man wohl über den ganzen lieben langen Tag dieser Storchenfamilie zusehen: Wer startet wann los zum Jagdflug, um Nahrung für die Jungen zu holen? Abflugszeit um 7:01 Uhr! Was tun die Kinder, während der Vater weg ist? Und die Landungen erfordern höchste Präzision, es ist, als würde ein Jumbojet landen, aber bei den Störchen geschieht das alles mit einer wunderbaren Leichtigkeit.

Als Beamter hat man einen „fixen“ Job, und trotzdem hatte ich schon seit Jahren die paar Male, wenn ich mit Menschen ernsthafte Gespräche über mein Leben führte, immer wieder gesagt: Ich habe einen „relativ fixen“ Job. Und immer, wenn ich selbst das sagte, war ich über mich selbst etwas verwundert und fragte mich, wieso ich nicht sage „ich habe einen fixen Job“.

Nun, viele Jahre später weiß ich es und erkenne es. Da war schon so eine Ahnung in mir, ich wusste es, ohne es bewusst zu wissen, nämlich, dass ich nicht erst in vielen Jahren als Beamter in Pension gehen werde.

Wie gesagt: Ich war 47 Jahre alt, Beamter und hatte einen fixen Job. Meine Vorgesetzte und mein Kollege waren und sind keine guten Menschen, aber das hätte ich schon durchgestanden, dem hätte ich mich schon entzogen, wenn ich gewollt hätte, und dann war plötzlich der Satz ganz klar in mir:

Ich kann hier nicht mein Leben versäumen, ich suche Erkenntnis!

Was suche ich, habe ich mich sofort selbst gefragt? Erkenntnis? Aber was ist Erkenntnis? Ich suche etwas, von dem ich gar nicht weiß was es ist? Wie kann das sein? Woher kommt das? Es muss also etwas in mir sein, von dem ich nichts weiß, dass es aber trotzdem gibt.

Ach ja, und eines war mir auch sofort klar. Reich werde ich damit nicht werden, mit meiner Suche nach Erkenntnis. Aber es hilft alles nichts, alles überlegen und selbst-belügen und selbst-täuschen hilft da wohl nichts, es ist in mir, es kam aus mir, es kommt aus mir, „ich suche Erkenntnis“, auch wenn ich damit nicht reich werde und auch wenn ich gar nicht weiß was das ist.

Es war fünf Jahre später und mit meiner „Arbeit“ hatte ich längst begonnen. Überblick hatte ich damals noch keinen, aber manchmal war es, als würden Bauelemente wie Nebelschwaden vor meinem geistigen Auge vorbeiziehen, die ersten Mini-Erkenntnisse, aber noch ohne jeden Zusammenhang.

Es war damals, in einem Gespräch mit meiner Mutter, als ich mich selbst überraschte.

Meine Mutter ist pensionierte Lehrerin und viele Jahre hatte sie bereits sehr intensiv Astrologie gelernt und war zu einer guten Astrologin geworden. Mir war ganz klar, für mich wäre alles „angerichtet“, um auch selbst zu einem guten Astrologen zu werden. Meine Mutter ist eine hervorragende Pädagogin, sie würde mich also ganz bestimmt hervorragend unterrichten, sie hat alle Bücher, und in denen hat sie die wichtigen Textstellen schon in verschiedenen Farbstiften angestrichen, eine wunderbare Lernhilfe, „mein“ Astrologe ist wohl der beste Astrologe weltweit, und ein fleißiger Mensch bin ich auch, ausgenommen ich bin krank, was leider oft der Fall ist.

In meinem Leben war alles dafür „angerichtet“, dass ich zu einem Astrologen werde. Aber dann sagte ich in einem Gespräch mit meiner Mutter die Worte, die ich mir zuvor noch nie selbst gedacht hatte, und während ich sprach hörte ich mir selbst überrascht und interessiert zu, und dachte mir, aha, so also ist das in mir, das habe ich bislang noch gar nicht über mich gewusst:

Ich will nicht Astrologe werden, sondern ich will verstehen, wieso zum Beispiel eine Disziplin wie die Astrologie funktioniert.

Botz-Blitz! Schon wieder so ein Wunsch in mir. Ein Wunsch, der mich nicht reich machen wird, obwohl ich seit Jahrzehnten weiß, in welchen Branchen ich tätig sein müsste mit den größten Chancen auf Reichtum.

Herzlichst,
botz-blitz fragend,
Dr. W. Zottler

PS: Ach ja, es ist dann tatsächlich passiert, ungewollt und weil ich nicht gesund bin, als Beamter meinen Job zu verlieren. Einerseits viele Nachteile, andererseits meine Lebensrettung und viel mehr Platz in meinem Leben, um mich so gut als möglich der „Suche nach Erkenntnis“ und der „Frage, wieso zum Beispiel eine Disziplin wie die Astrologie funktioniert“ zu widmen.

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